http://matthias-hielscher.de/blog/75/Kernkraft_-_Meine_Meinung.html
März
24

Kernkraft - Meine Meinung

Zur Zeit sind im Radio wieder die Wahrwerbespots der Parteien zu hören, da kommenden Sonntag ja die Landtagswahlen sind. Eine Partei, die sich scheinbar für die Umwelt einsetzt, wirbt mit folgendem Wahlspruch:

Gegen Genfood und Atomstrom

Da fragt man sich doch, was es umweltfreundlicheres als den Atomstrom geben soll? Nun werden Stichworte wie Windkraft, Wasserkraft und Sonnenenergie fallen. Gegen diese alternativen Energiequellen ist wirklich nichts einzuwenden, was die Belastung der Umwelt betrifft, doch reichen diese Energiequellen im Leben nicht aus, um Deutschland komplett mit Strom versorgen zu können. Momentan können mit diesen Energien rund 8 Prozent des Strombedarfs von Deutschland gedeckt werden. Das ganze lässt sich in Maßen noch auf 15 Prozent steigern denke ich, doch mehr ist nicht vertretbar, zumindest nicht in der Bundesrepublik Deutschland.

Meine Meinung zu diesen Energiequellen:

Windkraft
Anwohner klagen über Kopfschmerzen, die durch die im Betrieb recht lauten Windkrafträder hervorgerufen werden. Windkrafträder sind in Wohngegenden also kein Thema. Wenn Windkrafträder nicht in Wohngegenden gebaut werden können, dann bleibt nur noch die freie Natur übrig. Doch aus meiner Sicht ist dies ebenfalls nicht vertretbar, da sonst die Tiere sehr verstört werden. Tja, umweltbewusstes Denken. \;\)

Wasserkraft
Schön und gut, doch Deutschland hat einfach nicht genug große Flüsse, mit denen man ein Wasserkraftwerk betreiben könnte. Stauseen anzulegen ist erstens sündhaft teuer und zweitens nachts, wenn diese Befüllt werden, sind Pumpspeicher-Kraftwerke auch nicht leise. Das führt wieder dazu, dass diese nicht in Wohngegenden gebaut werden können und man hat das gleiche Problem, wie es schon bei den Windkrafträdern angesprochen wurde. Unterirdische Wasserturbinen, wie man sie im Meer an Meeresströmungen einsetzen kann, halte ich für die sinnvollste alternative Energiequelle, sofern man direkt an solch einer Meeresströmung liegt (Bsp: Golfstrom). Für Deutschland kommt auch das nicht in Frage, da in direkter Nähe keine Meeresströmung vorhanden ist.

Solarenergie
Sonnenenergie ist die Energieform, die ich in Deutschland noch am ehesten bevorzugen würde. Heutzutage kommen die Solarzellen auch mit wenig Licht relativ gut aus, doch reicht der Strom von Solarzellen auf Hausdächern im Normalfall nicht aus, um den gesamten Haushalt versorgen zu können. Anders als die Fotovoltaik arbeiten Sonnenkollektoren, die in der Lage sind, Wasser zu erwärmen. Das finde ich sehr sinnvoll, doch hier geht es primär um die Stromerzeugung, weshalb das natürlich auch nicht viel dazu Beiträgt. Das gleiche gilt für die Erdwärme: Eine klasse Idee, wenn es um die Erwärmung von Wasser geht, doch für die Stromgewinnung kaum einsetzbar.

Biomasse / Müllverbrennung
Diese Energieform ist auch in Ordnung, doch kann man auch damit nicht ausreichend Strom erzeugen.

So, was bleibt und denn nun noch übrig? Ölkraftwerke und Kohlekraftwerke - und die Atomenergie.
Auch wenn Öl- und Kohlekraftwerke heute aufgrund strenger Richtlinien so umweltfreundlich wie möglich versuchen zu arbeiten, gelingt es nie, den Kohlendioxid-/Kohlenmonoxid-Ausstroß auf Null zu reduzieren. Hinzu kommt, dass Kohle und Öl nicht in endlichen Mengen vorliegen. Also kann das für die Zukunft auch nicht herhalten. Einen unendlichen Rohstoff gibt es natürlich nicht, doch Uran und Plutonium reichen für einen deutlichen längeren Zeitraum, als es bei Öl und Kohle der Fall ist (rund 200 - 300 Jahre).

Ich werde nun die größten Ängste einiger Personen im Zusammenhang mit Atomkraftwerken nennen und dazuschreiben, wie es damit wirklich aussieht.

Radioaktive Strahlung können bei einer Explosion austreten
Uran und Plutonium sind radioaktive Materialien, die übrigens auch im Erdreich strahlen. Radioaktivität ist folglich etwas vollkommen natürliches. Dass es schädlich für Lebewesen ist jedoch auch korrekt. Heute ist es nicht möglich, dass Radioaktivität aus dem Kernreaktor austreten an die Umwelt weitergegeben werden kann. Die Atomkraftwerke sind mit das modernste, was es gibt. Mehrere Computer überwachen jeden Druck, jede Temperatur, jeden nur möglichen Messbaren Wert im Reaktor. Es handelt sich dabei um mindestens drei Computer, die alles parallel überwachen und das selbstverständlich über verschiedene Sensoren, sonst würde das ganze wenig Sinn ergeben. Weicht das Messergebnis eines der drei Computer von denen der anderen beiden ab, wird sofort Alarm ausgelöst und sobald die Spanne zwischen Normalwert und aktuellem Wert zu weit auseinandergeht, fährt der Computer das Kernkraftwerk vollautomatisch herunter. Erst, wenn der Schaden gefunden und behoben wurde, kann das Atomkraftwerk wieder hochgefahren werden. Kein Mensch kann eingreifen und das automatische Abschalten verhindern und das ist auch wichtig.
Genau dies war das Problem beim Atomunfall in Tschernobyl. Damals war es in Russland so, dass die Stromkonzerne mehr Geld bekommen haben, je länger ein Atomkraftwerk am Stück läuft. Die Computer meldeten damals einen kritischen Wert sehr frühzeitig mit dem Hinweis, das Atomkraftwerk unverzürglich herunterzufahren. Die Mitarbeiter dort oder der Stromkonzern, das weiß ich jetzt nicht mehr, waren damals überzeugt davon, dass sie dieses Problem im laufenden Betrieb beheben können, doch Pustekuchen, dies war nicht der Fall. Von diesem Unglück im April 1986 wissen wir alle. Die russischen Atomkraftwerke hatten damals auch relativ dünne Außenwände des Reaktorgebäudes. Die mordernen kernkraftwerke, die in Deutschland eingesetzt werden und in Frankreich zur zeit fleißig gebaut werden haben mehrere Meter dicke Stahlbetonwände, aus denen keinerlei radioaktive Strahlung austreten kann. Auch die Explosion eines Reaktors reicht nicht aus, um diese zu zerstören. Davor braucht man also keine Angst zu haben.

Terroranschläge auf Kernkraftwerke
Die oben angesprochenen Stahlbetonwände sind stärker als die vieler Bunker, die gelten als annähernd unzerstörbar für Raketen und Bomben. Falls eine Atombombe in der Lage sein sollte, diese Wände zu zerstören, wäre das grad egal, da so oder so alles mit radioaktiver Strahlung verseucht wäre. Wenn die gefährlichste aller Bomben - die Wasserstoffbombe - diese Wände zerstören kann, dazu weiß ich leider nichts näheres, würde mich aber auch interessieren, dann würde die Wasserstoffbombe selbst, da sie auch radioaktive Strahlung verbreitet, die Umwelt schädigen, da würde die Strahlung eines Atomkraftwerks auch keine Rolle mehr spielen.

Größtes anzunehmendes Unglück
Alle Computersysteme können nicht versagen, da kein Virenbefall möglich ist (keine Anbindung ans Internet und es laufen spezielle Betriebssysteme, kein Windows oder Ähnliches) und da die Computer alle getrennt arbeiten ist auch ein Hardwaredefekt nicht weiter schlimm. Mal angenommen, dies würde doch passieren und ein Reaktor würde explodieren, was dann? Der Reaktor setzt radioaktive Strahlung frei, die innerhalb der Reaktorhülle bleibt. Aus dieser ist kein Austreten möglich. Das Kernkraftwerk wird dann rund 100 Jahre stillgelegt und verharrt in diesem Zustand, bis die radioaktive Strahlung darin zerfallen ist. Also alles kein großes Risiko.

Castortransport
Wie alles in der Welt hat auch ein Atomkraftwerk seine Nachteile. Der größte ist der, dass der radioaktive Müll entsorgt werden muss. Ich verwende hier den Begriff Castor für die Behälter, die den radioaktiven Abfall enthalten, wie wir es von unserem Sprachgebrauch meist gewöhnt sind. Zum Einsatz kommen hauptsächlich Behälter des Typs Castor V/19, dieser ist für 19 Brennelemente aus Druckwasserreaktoren ausgelegt oder des Typs V/52 für 52 Elemente eines Siedewasserreaktors. Rund 10 Tonnen kann so ein 6 Meter langer und im Durchmesser 2,5 Meter großer Behälter aufnehmen, daher reicht ein Behälter für relativ viel Atommüll aus. Leer wiegt ein einziger Behälter um die 100 Tonnen!

Die Castorbehälter müssen so schwer sein, das sie mit einer sehr Ducken Wand ausgestattet ein müssen, um folgende Empfehlungen der IAEA (Internationale Atomenergieorganisation) erfüllen zu können:

- Aufprall aus 9 m Höhe auf eine unnachgiebige, stahlbewehrte Betonplatte
- Aufprall aus 1 m Höhe auf einen 15 cm dicken Stahldorn
- Feuer (30 Minuten bei 800 °C),
- Druck von 15 m Wassertiefe über acht Stunden
- Druck von 200 m Wassertiefe über eine Stunde

Das zeigt schon, dass diese Behälter einiges aushalten. Persönlich würde ich diese Behälter aber nicht als unzerstörbar bezeichnen, das wäre schlichtweg falsch. Terroristen wären in der Lage, diese Behälter zu zerstören, sofern sie die Routen der Castortransporte kennen würden, doch diese unterliegen in Deutschland der obersten Geheimhaltung, ebenfalls in Frankreich. Für meinen Teil würde ich sagen, die größere Gefahr bei einem Atomkraftwerk geht nicht, wie viele annehmen, vom eigentlichen Kraftwerk aus, sondern vielmehr vom Atommüll. Die Zwischenlager sind natürlich wieder richtige Bunker, also einmal dort angekommen, können die Behälter dort gelagert werden, bis die Strahlung weitestgehend zerfallen ist.

Da ein Kernkraftwerk sonst keine Abgase freigeben handelt es sich hierbei um die rentabelste umweltfreundliche Möglichkeit, Strom zu erzeugen und das ist Fakt. Es gibt Leute, die der folgenden Einstellung sind:

Ich brauche keine Atomkraftwerke, der Strom kommt aus der Steckdose.

Das ist jetzt kein Witz, diese Leute gibt es tatsächlich. \:roll\:


Ich hoffe, ich konnte euch einen kleinen Einblick in die Kernkraft und die zu hoch gespielte Gefahr geben. Ihr könnt hier gerne Kommentare hinterlassen, sofern diese sachlich bleiben, egal, ob für oder gegen die Atomkraft.


Ich frage mich nur eines: Angenommen, es wäre möglich, die regenerativen Energiequellen alle in Deutschland unterzubringen, wer soll das denn finanzieren? Die folge wäre, dass die Stromkosten enorm steigen ...

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Kommentare

  • S2B
    24.03.2006, 14:51
  • Wie schon erwartet, hier ein kleiner Kommentar (nein, ich werde nicht jedes Argument von dir zerpflücken *g*):
    Ein Argument der Atomgegner wurde in deinem Eintrag noch gar nicht erwähnt, nämlich, dass Langzeitfolgen atomarer Verstrahlung noch nicht ausführlich untersucht werden _konnten_. Aus diesem Grund kann man auch schlecht behaupten, dass nach 100 Jahren die radioaktive Strahlung zerfallen ist. \:roll\:
  • Matze
    (registriert)
    24.03.2006, 14:55
  • Die Verstrahlung konnte unter anderem nicht ausführlich untersucht werden, da solch ein Atomunglück glücklicherweise bisher kaum vorkegommen ist und Tests an gesunden Menschen korrekterweise verboten sind, da es ziemlich gefährlich sein kann. Aber heutzutage kann so ein Atomunfall, wie im Artikel erwähnt, im Normalfall nicht mehr passieren, Ausnahmen bestätigen die Regel.
    Die Angabe mit den 100 Jahren basiert auf der Halbwertszeit der radioaktiven Stoffe. Da die Halbwertszeit bekannt ist, lässt sich das ziemlich genau hochrechnen. \;\)
  • S2B
    24.03.2006, 14:59
  • Trotzdem sind mir diese Angaben ehrlich gesagt zu schwammig. Meiner Meinung nach darf keine Technologie eingesetzt werden, bei der Müll entsteht, der eine große Gefahr für den Menschen sein kann.
    Klar, wir können im Moment nicht auf Atomkraftwerke verzichten, allerdings ändert das auch nichts daran, dass ich gegen die Atomkraft bin.
  • Matze
    (registriert)
    24.03.2006, 15:52
  • Wenn du so argumentierst, dürfen auch keine Kohle- oder Ölkraftwerke eingesetzt werden, da das Treibhausgas Kohlendioxid momentan eines unserer großten Probleme darstellt.

    Klimaerwärmung -> Schmelzen der Pole -> Süßwasser vermischt sich mit Salzwasser und da Süßwasser leichter als Salzwasser ist, schwimmt es oben und der Golfstrom droht zu versiegen. Da dieser die Hauptwärmequelle für unser Klima darstellt, könnte dann wieder eine neue Einszeit hereinbrechen.

    So argumentieren auch die Forscher (natürlich kurz zusammengefasst), wenn wir nicht gegen den Kohlendioxid-Ausstoß ankämpfen.
    Aber du hast recht, eine ultimative Lösung, die keine Nachteile mit sich bringt, ist leider noch nicht bekannt, daher müssen wir abwägen und sollten die am sonnvollsten erscheinende Möglichkeit wählen. Das ist jedoch meine persönliche Meinung, die mir am sinnvollsten erscheint.

    PS: Mein Ziel ist es auch nicht, die Meinung für oder gegen Atomkraft zu ändern, ich möchte lediglich verdeutlichen, dass die Atomkraft nicht so gefährlich ist, wie es einige glauben. Darum auch der Titel "Atomkraft - Meine Meinung". \:\)
  • luke
    24.03.2006, 16:31
  • moin moin,

    meine meinung: nachdem wir ja schon Atomkraftwerke rumstehen haben, kann man die auch benutzen, solange sie noch sicher funktionieren. was ich auch nicht verstehe sind die aufschreie gegen die wiederaufbereitungsanlagen - die stäbe, nachdem ein bruchteil ihres energiegehalts freigesetzt ist, sich die verbleibende kapazität zur energiegewinnung zu nutzen sich aber nicht mehr rentiert, gleich zu verbuddeln, ist wohl sinnlos.

    Auf lange Sicht allerdings muss man, müssen wir auf schnell nachwachsende, sogenannte regenerative Energien umstellen. NOCH ist zum Beispiel die Photovoltaik noch nicht ausgereift genug, in Massen produzierbare Solarstromelemente haben eine schlechte Umweltbilanz: Hohe Herstellungs(umwelt)kosten und trotzdem eine ganze Menge Abwärme.

    Windkraftwerke mitten in Wohngebieten sind auch unsinnig (obwohl ich dem "Kopfschmerzargument" doch das "Atomstrom-Leukämie-Argument entgegensetzen will), gegen off shore-Plattformen oder eine Einbettung in Agrarfläche dagegen kann ich keine Argumente finden.

    Meiner Meinung nach aber das wichtigste Energieproblem ist, dass viel zu viel Energie direkt in ungenutzte Wärme übergeht - siehe dazu (welch Gunst des Schicksals) Die Zeit vom 23.03.2006, "80 Millionen Verschwender", S.25: "Tatsächlich beanspruchen [Elektroverbraucher] fast zwei Drittel der [..] Energie für sich".

    Sinnvoll bzw. wichtig ist also neben der Frage "welcher Energieträger?" auch "wo können wir Energie sparen".

    mfg
    luke

    PS: natürlich alles nur meine Meinung.

    PPS: "Die Verstrahlung konnte unter anderem nicht ausführlich untersucht werden, da solch ein Atomunglück glücklicherweise bisher kaum vorkegommen ist und Tests an gesunden Menschen korrekterweise verboten sind, da es ziemlich gefährlich sein kann." - negaH, den wir ja alle kennen, würde hier wohl sagen: "Ich gebe absolut nichts darauf, wenn mir jemand sagt, sein verschlüsselungsverfahren sei sicher, weil es noch niemand geknackt hat. Wenn ich nicht weiss, wie sicher, nehme ich am besten den schlimmsten Fall an." \;\)

    PPPS: "Ich brauche keine Atomkraftwerke, der Strom kommt aus der Steckdose." - Das sind die Leute, die BILD-Zeitung lesen. www.bildblog.de - Bild dir deine Meinung \;\)
  • Meflin
    26.03.2006, 19:16
  • Du erwähnst korrekterweise dass Kohle und Öl nicht in endlichen Mengen vorliegen - verschweigst aber gleichzeitig, dass es sich mit Uran (und allen sonstigen geeigneten radioaktiven Materialien) keineswegs anders verhält. Ohne jetzt genaue Zahlen im Kopf zu haben, ich glaube es waren gerademal 80 Jahre, die die Vorräte beim derzetigen Verbrauch noch halten. Also ist die Atomkraft weder eine Lösung auf Dauer noch eine besonders elegante, bedenkt man den Risikomüll der dabei entsteht. So gesehen MUSS der 100%ige Umstieg auf regenerative Energiequellen passieren, weswegen ich die Hinhaltepolitik wenn es um die AKW Laufzeiten geht einfach nicht verstehe.

    Desweiteren SIND AKWs umweltschädigend. Die sind ja denke ich alle an Flüsse angebunden, und überall, wo das der Fall war, führte das ab dem AKW stromabwärts zu Fischsterben, weil die Wassertemperatur plötzlich um ein paar Grad heißer war, um nur ein Beispiel zu nennen.

    Ganz abgesehen davon haben AKWs noch andere Nebeneffekte: bei manchen entsteht ganz nebenbei waffenfähiges Plutonium (der Grund weswegen Iran nix dürfen soll), sie sind aufgrund der großen Energieproduktion zwangsläufig dezentral, was auch nicht wirklich sonderlich praktisch ist und sie kosten ziemlich viel, der einzige Grund, warum der Strom trotzdem billiger ist, ist dass der Staat das blechen muss und nicht die Betreiber.

    Das soll jetzt nicht heissen dass alternative Energiequellen keine Nachteile hätten, trotzdem verstehe ich nicht ganz wieso Atomstrom besser sein soll, die Nachteile sind nämlich erheblich gravierender, ganz abgesehen davon dass er keine Lösung auf Dauer ist.
  • Matze
    (registriert)
    26.03.2006, 19:35
  • Hi,

    ich sage ja nichts gegen regenerative Energiequellen, im Gegenteil, ich bin dafür, nur die jetzigen Möglichkeiten sind nicht brauchbar, zumindest nicht für die ganze BRD. Ich verschweige keinesfalls, das Uran & Co endlich vorhanden sind, aber irgendwo habe ich gelesen, dass die Vorräte weit über 300 Jahre halten (ich finde den Artikel leider gerade nicht mehr).
    Die Erwärmung des Flusswassers wurde deutlich vermindert, seit dem das bekannt war. Ob die Wärme zuvor komplett in die Luft übergeht oder anders umgewandelt wird, kann ich dir jedoch auch nicht sagen.

    Irgendwann müssen wir auf andere Energiequellen umsteigen, das ist völlig korrekt, doch müssen wir aktuell schnell von CO2 verursachenden Energiquellen weg. Auf Dauer ist die Kernkraft natürlich auch nichts, da widerspricht dir keiner. Und das einzig Gefährliche am Atommüll ist der Transport, da er ein Terroristenziel darstellen könnte, wenn terroristenorganisationen herausbekommen, wo diese Castortransportstrecken verlaufen. Ist das Zeug einmal im Endlager, hat man keine Gefahr mehr zu befürchten.

    Ich finde, da wir genau wissen, dass der CO2-Ausstoß zu verheerenden Wirkungen führen kann, sollten wir so schnell es geht weg davon. Und Kernkraft wäre eine akzeptable Übergangslösung, bis man ein Verfahren, das auf Dauer funktioniert, gefunden hat. Dieses Verfahren muss so oder so her und bis es soweit ist, können wir den CO2-Ausstoß drastisch senken. Es wäre ein gute Anfang. Natürlich stoßen Kraftfahrzeuge auch Unmengen an CO2 aus, doch die Motoren werden auch immer besser und eine Alternative zum Benzin-/Diesel-/Hybridantrib ist nicht gefunden (Wasserstoff wird es so schnell nicht geben, die Erzeugung davon ist ein zu teures Vorgehen).

    Frankreich baut zur Zeit 5 AKWs (ich glaube es waren 5) und die sind alle so modern, dass man davon ausgehen kann, dass diese sehr umweltfreundlich arbeiten. Keine Regierung würde es genehmigen, dass AKWs gebaut werden, die zu Fischsterben führen.
  • mark
    28.03.2006, 21:07
  • Moin,

    ich stimme mit Matze's Meinung 100% überein.
    Ich persönlich halte den Atomausstieg für eine der fatalsten Entscheidungen, die die Rot-Grüne Regierung je getroffen hat. Noch vor wenigen Jahren war Deutschland eines der führenden Länder in Reaktorbau und -entwicklung. Mit der gezielten Weiterentwicklung und dem Verkauf moderner Atomreaktoren ins Ausland hätte die hießige Industrie Milliarden verdienen können. Doch stattdessen wird der gesamte Industrie- und Forschungszweig von der Regierung abgebrochen (wie auch in ähnlicher Weise bei der Genforschung geschehen). Den großen Reibach machen jetzt andere (Frankreich, China, auch Finnland...) und Deutschland ist auf importierten Atomstrom aus Frankreich angewiesen. Großartig!
  • 3_of_8
    30.03.2006, 16:37
  • Exakt das versuche ich schon lange meinen Klassenkameraden zu erklären. Kernkraft ist eine der besten Möglichkeiten, die die Menschheit momentan hat. Wenn man keine Ahnung hat, sollte man nicht gegen Kernkraft protestieren. Dass Strahlung nach einer bestimmten Anzahl Jahren zerfällt, ist bewiesen. Und die Strahlenbelastung bei einem Flugzeugflug ist um ein vielfaches höher als die, wenn man neben einem Atomkraftwerk steht.
  • luke
    02.04.2006, 12:13
  • Zitat Kollektiv: "Dass Strahlung nach einer bestimmten Anzahl Jahren zerfällt, ist bewiesen."
    - Ja, nach Milliarden von Jahren. Milliarden. MILLIARDEN!!!!111elf!
    Das sind Zeiträume, in denen niemand abschätzen kann, was alles passiert. Genauso:

    "Und die Strahlenbelastung bei einem Flugzeugflug ist um ein vielfaches höher als die, wenn man neben einem Atomkraftwerk steht."

    Alles billige Propaganda... selbst wenn DAS stimmt, gibt es eine ganze Kette uranverarbeitender Einrichtungen. Und wer garantiert, dass da nix passiert? Mit deinen Worten: "Wenn man keine Ahnung hat,..." (Da gibt es einen sehr beliebten Ausspruch im Internet, den ich im Interesse des Niveaus jetzt nicht ausschreibe)

    Zitat Matze: "Ist das Zeug einmal im Endlager, hat man keine Gefahr mehr zu befürchten."

    *schwaches lachen*

    Keine Gefahr? Erdbeben, Grundwasserein- und wieder Aussickerung, Terroristen die sich das Zeug schnappen? Ebenso siehe oben. Du KANNST nicht abschätzen, was alles passiert in Milliarden von Jahren. Das Blei zersetzt sich, Leute bauen ihre Häuser drauf... nur ein Beispiel von vielen möglichen.

    Zitat mark: "und Deutschland ist auf importierten Atomstrom aus Frankreich angewiesen"

    Ja, leider. Wie matze gesagt hat, wir können im Moment nicht auf Atomstrom verzichten. Im Moment. Aber wir sollten schauen, dass man da schleunigst was dran ändert.
    Und zum Glück kann man den Fakt, dass über kurz oder lang alles ausser Sonnenlicht ausgeht (wenn es ausgeht, ist es auch schon egal, dann ist das das Ende des lebens auf der Erde), immer weniger verdrängen.
  • luke
    02.04.2006, 12:15
  • Ach ja noch was:

    This page is not Valid XHTML 1.0 Transitional!

    http://validator.w3.org/check/referer

    Man sollte sich nicht mit fremden Federn schmücken...
  • Matze
    (registriert)
    02.04.2006, 19:17
  • Na klar ist in Milliarden Jahren das Zeug annähernd verschwunden, aber nach wenigen hundert Jahren ist die Strahlung ungefährlich, ganz weg ist sie nie (Halbwertszeit -> Wikipedia)

    Und die Bunker sind erstens wahnsinnig dick, dann auf nicht Erdbeben gefährdeten Gebieten. Sollte der Bunker Risse bekommen, wäre das Grundwasser auch nicht gefährdet, da der Castorbehälter praktisch keine Risse bekommen kann. Und ich möchte einen Terroristen sehen, der so ein Höchstsicherheits-Bunker eindringt.
    Logisch ist auch, dass das ganze natürlich nicht immer ungefährlich ist, doch dass ist überall so. Ein AKW und die Endlager gehören auf jedenfall mit zu den sichersten Gebäuden überhaupt und das ist auch notwendig. 100% Sicherheit kann natürlich nie gewährleistet werden.

    @luke: Der Validate-Link ist in Wordpress generell da und das ist nicht validate, wobei ich's auf den meisten Seiten korrigiert habe, nun auch hier, danke.
  • S2B
    07.04.2006, 13:45
  • Nur eine kleine Anmerkung am Rande:
    "Und ich möchte einen Terroristen sehen, der so ein Höchstsicherheits-Bunker eindringt."
    Hättest du gedacht, dass Terroristen mit einem entführten Flugzeug ins World Trade Center fliegen können?
  • Matze
    (registriert)
    08.04.2006, 22:16
  • > Hättest du gedacht, dass Terroristen mit einem entführten Flugzeug ins World Trade Center fliegen können?
    Da man früher ohne weiteres einen Pilotem im Cockpit zuschauen konnte (habe ich selbst sehr gerne gemacht, die Piloten waren da früher sehr offen), war das kein sonderlich großes Problem, ans Steuer zu gelangen.
  • Dirk
    09.04.2006, 22:01
  • @Mark:
    ". Mit der gezielten Weiterentwicklung und dem Verkauf moderner Atomreaktoren ins Ausland hätte die hießige Industrie Milliarden verdienen können."

    Durch die Entscheidung für den AK-Ausstieg und die Förderung der Windenergie durch die garantierte Einspeisevergütung wurde Deutschland weltweit absolut führend im Windanlagen-Bau. Also eher ein Vorteil. Deutsche Konzerne verdienen beim AKW-Bau trotzdem noch mit.

    Was die Versorgungssicherheit mit Uran angeht, so habe ich auch 60-80 Jahre im Kopf. AK ist also auch keine dauerhafte Lösung.

    Zu Tschernobyl: der Unfall passierte während eines riskanten Testverfahrens und nicht weil das Kraftwerk möglichst lang am Stück laufen sollte.

    Zu den Terroranschlägen: ein AKW hält einen Flugzeugabsturz nicht aus, wenn es sich um ein normales Passagierflugzeug handelt. Sicherheit ist nur beim Absturz eines Kampfflugzeugs gegeben. Deshalb gab es ja auch die Diskussion, in der vorgeschlagen wurde die AKWs bei Gefahr einzunebeln.

    Zum Atommüll: hier liegt das zentrale Problem. Die Sicherheit des Castors interessiert mE nicht und auch ein terroristischer Anschlag stellt meiner Meinung nach nicht die größte Gefahr dar. Das Problem ist schlicht und einfach: wohin mit den ausgebrannten Brennelementen? Niemand will ein Endlager in seinem näheren Wohnumfeld und die Diskussion um ein Endlager in den USA (Yucca Mountain. Problem der Auswaschung) zeigt wie schwer und teuer es ist eine einigermassen sichere Lagerstätte zu finden. Abgesehen davon ist das Problem mit einem Endlager nicht gelöst: es muss sichergestellt werden, dass die Behälter über Jahrhunderte sicher verwahrt werden können. Das im Interesse zukünftiger Generationen sicher zu stellen ist das größte Problem.

    Nun zu den Kosten: Atomstrom ist nur deshalb so günstig, weil Kraftwerksentwicklung und -Bau massiv staatlich unterstützt wurden. Die Forschungsförderung lag von 1974-2000 für Kernergie bei knapp 6 Milliarden Euro; erneuerbare Energien und Sparmaßnahmen erhielten zusammen im selben Zeitraum etwas mehr als 2 Milliarden Euro. Dazu kommen noch die Kosten für Castortransporte und hohe Kosten für das Endlager. Und weil irgendwann mit jedem AKW Schluss ist muss es auch abgebaut werden. Auch das verursacht extrem hohe Kosten (alle verstrahlten Teile werden von Hand zerkleinert und einzeln in Fässer eingegossen. Die müssen dann wieder ins Endlager).
    Würde man diese ganzen Gelder in die Erforschung und den Ausbau erneuerbarer Energien stecken, dann hätten wir heute sicher u.a. um einiges leistungsfähigere Solarzellen.
    Zu Deiner Frage, wer die erneuerbaren Energien bezahlen soll: wir, wie wir es bei der Atomkraft über die Steuergelder auch getan haben. Und wenn die Energiepreise weiter steigen (speziell Öl und Gas) dann werden sich alternative Energien auch in Privathaushalten immer mehr durchsetzen, weil sie sich plötzlich auch finanziell rechnen (und nicht nur aus idealistischen Gründen genutzt werden).

    Zur Windkraft: Deinen Agrumenten kann ich nicht folgen. Niemand will die Räder in ein Wohngebiet stellen. Irgendwo außerhalb sollten die Anlagen niemanden stören und dass Tiere dadurch verstört werden ist ja wohl auch ein schlechter Witz (vorher die Tiertransporte abschaffen, da wird mehr Leid unnötig erzeugt).

    Zur Wasserkraft: Wasserkraftwerke sind ideal um plötzlich anfallenden hohen Strombedarf zu kompensieren. Der Kostenaspekt zieht im Vergleich zu den hohen Kosten bei AKWs nicht. Beispiel Österreich zeigt, dass man mit Wasserkraft viel erreichen kann. Außerdem interessant: Gezeitenkraftwerke.

    Solarnergie: wie oben geschrieben: mit mehr Forschungsgeldern sicher die wichtigste Technologie. Häufig wird -- wie auch hier -- vergessen, dass gerade das Heizen der Häsuer den größten Energieverbrauch darstellt. Dafür ist die Nutzung der Sonne perfekt! In Verbindung mit besserer Dämmung und vielleicht noch Erdwärme dürften wir einen großen Anteil an Energie umweltfreundlich erzeugen bzw. sparen können.

    Biomasse: eine der Schlüsseltechnologien (hat sogar neulich Bush eingesehen). Im Moment wird eben auch in diesem Bereich viel zu viel Biomasse ungenutzt verschwendet. Bei höheren Energiepreisen wird sich das nicht mehr lohnen und die Nutzung wird zunehmen.

    Die hohen Kosten, die Probleme mit dem Müll und die Brennstoffknappheit diskreditieren die Atomkraft meines Erachtens als wirkliche Zukunftsenergieform. Dazu kommt der schlechte Ruf dieser Erzeugungsart bei vielen Bürgern.
    Wenn man wie oben beschrieben den Energiebedarf fürs Heizen durch Dämmung und erneuerbare Energien senkt und im Strombereich ebenfalls darauf setzt (in Verbindung mit Intelligent Grids), dann haben wir hoffentlich eine Chance die kommende Energiekrise zu meistern. Trotzdem glaube ich, dass sich der Umgang mit Energie grundlegend ändern muss und wird.

    Soweit meine lange Meinung zum Thema \:\-\)

    Dirk.
  • Matze
    (registriert)
    09.04.2006, 22:37
  • Mich freut's, dass ihr so sachlich bleibt, dickes Lob!

    > AK ist also auch keine dauerhafte Lösung.
    Jupp, wie oben angesprochen, muss sich da generell etwas ändern. Ich sprch auch nur von einer guten Übergangslösung.

    > Zu Tschernobyl: der Unfall passierte während eines riskanten Testverfahrens und nicht weil das Kraftwerk möglichst lang am Stück laufen sollte.
    Hm, vielleicht verwechsle ich das mit einem anderen AKW-Unfall. Irgendwo war es ganz sicher so, da muss ich mal suchen, ob ich diesen Unfall finden kann.

    > ein AKW hält einen Flugzeugabsturz nicht aus, wenn es sich um ein normales Passagierflugzeug handelt.
    Wenn ein Flugzeug direkt mit der Nase auf das Reaktorgebäude stürzt ist das korrekt, doch das ist sehr unwahrscheinlich. Aber klar, Gefahren lauern überall und ganz ausschließen kann man das nie.

    > Zu Deiner Frage, wer die erneuerbaren Energien bezahlen soll: wir, wie wir es bei der Atomkraft über die Steuergelder auch getan haben. Und wenn die Energiepreise weiter steigen (speziell Öl und Gas) dann werden sich alternative Energien auch in Privathaushalten immer mehr durchsetzen, weil sie sich plötzlich auch finanziell rechnen (und nicht nur aus idealistischen Gründen genutzt werden).
    Momentan wird der Solarstrom finanziell noch stark unterstützt. Man kommt bei weitem nicht auf Null raus, das versteht sich, doch ist das ein Anreiz und wir haben uns auch überlegt, das zu machen. Doch wird das auch immer weniger subventioniert, sobald das mal etwas weiterverbreitet ist. Genauso bei der Erdwärme.

    > Zur Windkraft: Deinen Agrumenten kann ich nicht folgen. Niemand will die Räder in ein Wohngebiet stellen. Irgendwo außerhalb sollten die Anlagen niemanden stören und dass Tiere dadurch verstört werden ist ja wohl auch ein schlechter Witz (vorher die Tiertransporte abschaffen, da wird mehr Leid unnötig erzeugt).
    Jupp, Tiertransporte sind schlimm, zumindest viele. Ich war nur mal in der Nähe des Harzes wandern und dort waren auf Feldern einige Windkraftwerke. Die brummen wirklich sehr sobald es etwas windig ist. Also eine Dauerlösung finde ich das in Deutschland daher nicht. Der Artikel oben bezieht sich natürlich, wie es der Titel andeutet, auf meine Auffassung.
    Windkrafträder fände ich im Meer nicht störend, doch das wäre eine andere Geschichte.

    > Außerdem interessant: Gezeitenkraftwerke.
    Genau, die sind spitze. Wir haben damals im Erdkundeunterricht einen Film darüber gesheen, das hat meiner Meinung nach Zukunft.

    Vielen Dank für deinen schönen Kommentar. \:\)
  • 3_of_8
    14.04.2006, 00:26
  • @luke: Ich finde es ziemlich unfair, dass du mich auf dieser Basis angreifst.

    Wenn du dauf meine Argumente eingehst, bitte nicht mit so etwas wie "billige Propaganda" und "wer keine Ahnung hat, soll die Klappe halten."
  • 3_of_8
    14.04.2006, 18:21
  • Nicht du. Luke. Darum auch "@luke".

    \;\)

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