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Jun
15

Was es doch für verrückte Menschen gibt

Mein Vater und ich machten heute eine Radtour, die im Nachbarort begann. Um 9:00 Uhr fuhren wir los und auf dem Weg dort hin liegt ein nicht kleiner Berg. Bei der recht steilen Abfahrt sahen wir links auf dem Grasstreifen gut versteckt ein älteres Mofa und beim genaueren Hinsehen dahinter bzw. darunter halb im Gestrüpp einen ältereren Herrn. Zuerst hatte ich ihn nicht richtig gesehen, drehte dann wieder um und fuhr das kleine Stückchen zurück bergauf.
Regungslos lag er da, mit dem Kopf gegen einen Drahtzaun gelehnt. Der Kopf hatte auch eine kleine Schramme. Ich rief zu ihm und als ich schon fast schrie, bewegte er sich endlich und schaute mich an. Er sagte, er könne seine Beine nicht bewegen. Mein Vater und ich lehnten das Mofa, unter dem seine Beine waren auf die andere Seite. Ich wollte schon den Notarzt rufen, doch er bestand darauf, ihn nicht zu holen. Er war sturzbetrunken und wolte auf keinen Fall, dass die Polizei kommt, da sonst sein Führerschein weg wäre. Er fragte auch, wo er hier sei und erzählte dann halbtrunken, dass er in seine Wohnung zahlreiche Kilometer von hier möchte. Wie man das mit einem so alten Mofa schaffen kann ist mir ein Rätsel.
Mitleidig sagte er, dass er seit 2 Stunden versuche, sich eine Zigarette zu drehen und freute sich, dass er sie - befreit vom Mofa - endlich zu ende drehen konnte.
Als wir mehrmals fragten, ob und wo er Schmerzen habe, sagte er nur, er könne nicht aufstehen und nur schwer atmen, möchte sich jedoch unbedingt eine Zigarette anstecken und qualmte dann vor sich hin.
Wie kann man nur ... \:wall\:

Es bedankte sich bei uns für die Hilfe und kurz darauf kam glüklicherweise ein Landwirt (ich glaube es war einer) mit seinem Auto, den wir herwinkten und der die Einstellung des Opfern auch unmöglich fand. Er lief zu einem wenige Meter entfernten Haus und wollte dort mit der Besitzerin weiteres klären.

Mein Vater und ich fuhren dann endlich weiter. Wäre der Landwirt nicht gekommen, hätte ich den Notarzt gerufen, denn sonst wäre es unterlassene Hilfeleistung und dass das strafbar ist, versteht sich von selbst.
Eigentlich hätte man auch die Polizei benachrichtigen sollen.

Also Leute gibt's, unfassbar.
Übrigens war der Verletzte am Rückweg (3 Stunden später) samt Mofa nicht mehr da.

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Kommentare

  • Daniel G
    16.06.2008, 12:42
  • Erstmal vorweg: Gut, dass ihr angehalten seit. Ich möchte nicht wissen, wieviele Menschen an dem Kerl vorbeigefahren sind.

    Zu der Sache mit dem Notruf: Ich hätte ihn vermutlich abgesetzt. Betrunkene wollen meist nicht, dass der Rettungsdienst bei solchen Sachen eingeschaltet wird. Man möchte halt möglichst wenig Aufregung verursachen. Wenn er aber tatsächlich "sturzbetrunken" war, dann würde ich seine Entscheidungsfähigkeit als ziemlich eingeschränkt betrachten. Außerdem, dieses mal war es vielleicht nur ein Moped, das nächste mal ist es aber vielleicht ein PKW? Der hat den Nachteil, dass er damit nicht einfach nur umkippt.

    Zu der Sache mit der Zigarette: Menschen, die unter "Schock" stehen (und dann auch noch unter Alkohleinfluss), tun die absurdestens Sachen. Da ist der Motorradfahrer, der zuerst seine Maschine über die Leitplanke wuchtet (merke: so'n ding ist schwer!) und dann zusammenklappt; die Autofahrerin, die nach einem unfall erst einmal ihre sieben Sachen zusammenräumen muss; Oder aber die Mutter, die, nachdem der Schrank auf ihre Tochter gekippt ist, ruft: "Der schöne Schrank!" (<= original meiner Mutter als Kind passiert. \:mrgreen\: )

    Aber trotzdem: Vorbildlich gehandelt, sehr gut. \;\)
  • Matze
    (registriert)
    16.06.2008, 16:33
  • Hi Daniel,

    ich habe es zum ersten Mal erlebt, dass ich ein Unfallopfer entdeckt habe. Hinterher ist man natürlich immer schlauer.

    Der Herr war wirklich noch sehr unter Alkoholeinfluss und meinte auch, er möchte erst mal eine Runde schlafen und da der Landwirt vor Ort war, haben wir das Opfer auch nicht alleine gelassen. Das hätte ich ohnehin nicht getan.

    Er erwähnte übrigens auch, dass er seit rund 3 Stunden hier liegen würde und wir die ersten wären, die angehalten haben. Man merkte, dass er sich dabei freute und das sagte er auch.
    Ob er wirklich 3 Stunden da war (morgens um 6 Uhr betrunken zu sein kommt sicher auch nicht so häufig vor) weiß ich nicht und ob wir die ersten waren oder bereits andere Leute vorbei gelaufen sind, weiß ich ebenfalls nicht.

    Ich wäre ja auch schier vorbei gefahren und wunderte mich eher, dass da ein Moped liegt.

    Es kann sein, dass er unter Schock war, mir kam es jedoch nicht so vor, denn als wir sagten, es sei mit das schlechteste, eine Zigarette zu rauchen, wenn man schlecht Luft kriegt, erwiderte er, dass er seit 40 Jahren Raucher und daher auf die Zigaretten angewieden sei.
  • Matze
    (registriert)
    17.06.2008, 14:39
  • Heute steht in der Zeitung, dass sowohl Polizei als auch sicherheitshalber ein Rettungswagen gekommen sind. Der 56-Jährige wurde ins Krankenhaus gebracht und die Polizei stellte einen Alkoholgehalt von über 2 Promille fest. \:shock\:
    Es handelte sich übrigens um ein Mofa und nicht um ein Moped (hab's korrigiert). Ich kenne mich mit den Dingern nicht aus. *g*
  • Lenitschki1917
    19.06.2008, 00:26
  • Bei diesem Sich-Selber-Auf-Die-Schulter-Klopfen-Wollen bin ICH unfassbar geworden. Hier werden von beiden Autoren Katastrophen heraufbeschworen und mögliche Ausmaße und Konsequenzen fingiert, die in keinster Weise auch nur annähernd der Wirklichkeit auch nur nahe kommen könnten. Einen Betrunkenen (der, man möge mal für eine Sekunde inne halten, aus persönlichen Schicksalsschlägen zu diesem gesellschaftlich inakzeptablen und verwerflichem, aber mitunter - bei Berücksichtigung des Einzelfalls - durchaus nachvollziehbaren Gründen, zu dieser Verzweiflungstat geschritten ist bzw. von seinem Schicksal getrieben wurde) durch Heranziehung der Staatsgewalt derart vor den Kopf zu stoßen halte ich prinzipiell für mindestens ebenso verwerflich.
    Was völlig verkannt wurde, war die eigentliche Symbolik dieser "Tat" (Tat keinesfalls als Tat im Sinne des SstgBs zu verstehen). Der Mann hat verzweifelt um Hilfe gerufen und dabei ist es immer falsch, ihn dem Staat und damit der Gefahr der Willkür auszusetzen.

    "Wer scharf in eine Richtung schießt,.... und den Rest kennen wir ja,... der Abpraller kommt bestimmt"
  • Matze
    (registriert)
    19.06.2008, 06:53
  • Hallo,

    hier klopft sich keiner auf die Schulter. Und dass Hilfe gerufen wurde finde richtig, denn sonst könnten leicht andere stark gefährdet werden und dass so etwas tödlich enden kann, wissen wir alle.
    Wieso der Mann getrunken hatte und aus welchen Gründen weiß keiner, das ist richtig. Es kann sein, dass er Probleme hat, muss aber nicht. Darüber kann man nur spekulieren.
    Es ist jedoch keinesfalls eine Entschuldigung dafür, betrunken zu fahren. Ich würde sogar so weit gehen und sagen, dass es gut war, dass er ins Gras gefallen ist. Ihm ist dabei nicht viel passiert und anderen auch nicht. Im Endeffekt hatten alle Glück, sowohl er als auch mögliche gefährdete Personen.
  • Daniel G
    20.06.2008, 12:34
  • @Lenitschki1917: (Btw, super Nick, passt zu deiner Aussage wie die Faust auf das entsprechende Auge)

    Entspannung.

    Man merkt, du hast keine Ahnung. Vielleicht kam dieser Mensch nur von einer Feier oder ähnlichem. Er muss nicht irgendwelche "Persönliche Schicksalsschläge" im Hintergrund haben. Und wenn, dann ist Alkohol sicherlich die schlechteste Lösung, die man wählen kann. Das müsste auch einem linken Pseudorevoluzzer einleuchten. Egal, ob Terrorist, Kommunist, Rassist, Alkoholiker, Raver, Rocker, Biker, Autofahrer... Jemand, der eine Fahne hat, die bis zum Himmel stinkt, sich nicht bewegen kann und unter diesem Umständen erstmal nach einer Zigarette fragt, hat unbedingt ärztliche Hilfe von Nöten.

    Da ein Krad mit involviert war, muss die Polizei hinzugezogen werden. Hätte er einfach so im Gras gelegen, dann wäre die Polizei überflüssig gewesen, und es hätte der Rettungsdienst gereicht. Und jetzt versuch mir bitte nicht weiß zu machen, der Rettungsdienst sei eine staatliche Instution. Nein, dass ist er nicht. Er wird mehrheitlich von den Hilfsorganisationen gestellt. Vielleicht sollte man das bei der nächsten linken Demo, wo sich auch ein paar Extremisten verirren, berücksichtigen. Denn eines muss man den Nazis lassen: Die werfen nicht mit Flaschen auf Sanitäter. Die nicht.
  • Lenitschki1917
    26.06.2008, 18:23
  • Nach meiner durchaus überzeugenden Erörterung des von euch (ich schreibe euch bewusst nicht groß, weil euch die dafür erforderliche Achtung meinerseits nicht gebührt,... noch nicht) so gerühmten "Versagens" war ich eigentlich in der Annahme verblieben, dass ihr in euch gehen würdet, um fehlerreflektierend Einsicht zu erlangen.

    Die Realität war anders.
    Denn so werde ich mit dümmlichen Kommentaren wie dem eines Daniel G. rekommentiert, der als Methoden der Argumentation sich nicht nur der Beleidigung ("linker Pseudorevoluzzer"), sondern weitesgehend auch der falschen Rechtsschreibung (es heißt "Institution") und der naiven Wahrheitsverzerrung ("Nazis werfen nicht mit Flaschen") bedient.
    Ich bin außer mir und zugleich doch sehr erleichtert, weil zwischen den Zeilen deutlich hervorging, dass ihr vom "richtigen" Weg nicht gänzlich entfernt seid; vorausgesetzt ihr seid bereit euch selbst zu helfen, wozu den meisten der Mut fehlt. Aber bei diesem (teilweise" abstrusen Meinungsbild, das bedauernswerterweise immer noch in unserer dekadenten und vom Blut des und durch den Kapitalismus beschmutzten Gesellschaft besteht, sehe ich es als zusätzliche Motivation, meine aufklärerische Arbeit energisch und akribisch voranzutreiben.
    Ich sehe die hiesige Auseinandersetzung weniger als hässlichen Streit, sondern vielmehr als Diskurs mit zwei fehlgeleiteten aber dennoch "bekehrbaren" Getäuschten unserer staatlich vereinnahmten Medienlandschaft.
    Vielleicht denkt der Administrator einmal über die Chancen einer Rubrik nach, die wiefolgt lauten könnte: "Globalisierung - Geisel unserer selbst?!" oder der ähnlichen.
    Auf konstruktive Vorschläge bin ich (ungeduldig wartend \:\-\) gespannt.

    Genössiche Grüße Markus

    ps: @ Daniel G: dass das Vorgehen von Neo-Nazis (solche waren womöglich eher gemeint als Alt-Nazis) auch nur im Ansatz beschönigend (hier in einem negativen Vergleich) dargestellt wird, haben meine Augen falsch gelesen, richtig?
  • Daniel G
    27.06.2008, 15:26
  • Markus,

    Ich finde es durchaus beachtenswert, vielmehr jedoch erschreckend, dass du meine Rechtschreibung mit zu meiner Argumentationslinie zählen musst, um eine Aufzählung zu erreichen, die den Anschein erwecken soll, dass meine Argumentation nunmehr aus verachtenswerten und keinesfalls diskussionwürdigen Argumenten besteht.

    In meinem Augen handelt es sich jedoch nicht um eine naive Wahrheitsverzerrung, sondern um Erfahrungswerte, die ich gemacht habe. Vielleicht hätte ich sie in meinem Kommentar explizit kennzeichnen sollen.

    Auf zahlreichen Veranstaltungen ist, neben dem friedlichem Vorgehen auch eine durchaus agressive Vorgehensweise der linken Szene zu beobachten. Selten wird dies, so meine Erfahrung, vom friedlichen Flügel des linken Blocks scharf verurteilt. Dies führt zwar nicht per se zu einer Tolerierbarkeit des rechten Spektrums, wirft jedoch die unvermeidliche Frage des "Warum?" auf.

    Ein System, dessen Grundpfeiler nicht auf dem Kapitalismus und nicht auf der Demokratie aufbauen, sondern vielmehr die Gleichschaltung aller Individuen seinerselbst fordern, scheitert hoffnungslos am Menschen. Eine Gruppe, eine Gesellschaft braucht immer etwas, dem sie folgen kann. Der Mensch ist per natura ein Herdentier, und jede Herde hat ein Leittier. Unsere Gesellschaft gibt sich nicht mit einem Leittier zufrieden, unsere Gesellschaft arbeitet mit mehreren.

    Man kann schlecht leugnen, dass der Kommunismus in allen erdenklichen Versuchen gescheitert ist. Gescheitert an der Raffgier des Menschen, an der Raffgier einiger weniger Menschen, die jedoch ein komplettes System zum Fall bringen können, wenn es auf die Gleichheit eines jeden einzelnen ausgelegt ist.

    Die Grundidee des Kommunismus ist zu unterstützen, die Umsetzung scheitert jedoch in jedem Falle am schwächsten Glied der Ideologie:

    Am Menschen.

    P.S.: Nein, das Vorgehen der Nazis wurde in meinem Kommentar nicht beschönigt. Eher denke ich, dass der Satz überinterpretiert wurde.
  • Michael
    03.07.2008, 00:18
  • Oh ja.. es gibt tatsächlich so seltsame Menschen. Wobei man ja auch nie weiß, warum sie so sind, wie sie sind....
    Aber wie schon von anderen gesagt: Gut gehandelt! Ich wäre wohl mit der Situation etwas überfordert gewesen. Weiß nicht wie ich reagiert hätte.

    Was ich noch anmerken wollte: Imo wäre es keine unterlassene Hilfeleistung gewesen, wenn ihr keinen Krankenwagen gerufen hättet falls der Landwirt nicht gekommen wäre.

    Ich meine ich hätte in meinem EH-Kurs mal gelernt, dass man Menschen, die nicht wollen das man ihnen hilft nicht helfen muss bzw. (ich lehne mich mal ganz weit aus dem Fenster) wenn ich mich nicht irre könnte das Opfer einen sogar vor Gericht anklagen, wenn ihm gegen seinen Willen geholfen wurde (Dieses Recht hat das Opfer aber nur, falls es nicht bewusstlos war)

    Ich gebe zu - Das klingt recht abenteuerlich, sollte aber stimmen soweit ich informiert bin.
  • Matze
    (registriert)
    03.07.2008, 09:28
  • Hm, das kommt mir seltsam vor. Vielleicht, wenn man sieht, dass das Oper halbwegs wohlauf ist, doch wenn es sich kaum bewegen kann, dann kann das im schlimmsten Falle sogar tödlich enden.
    Hier war das direkt an einem Feldweg. Zwar gut versteckt, aber da laufen schon ein paar Leute am Tag vorbei, doch wenn das eine Stelle ist, an der man normalerweise nicht vorbei kommt, dann kann man sich denken, dass es nicht gut ausgehen würde.

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