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Jul
11

Das Bildungsniveau in Deutschland

Die Hochschule Esslingen, an der ich studiere, hat bundesweit einen hervorragenden Ruf und hebt sich von anderen Fachhochschulen durch eine sehr gute Ausbildung ab. Doch das ist nicht unbedingt nur positiv zu sehen: Studenten anderer Hochschulen, wie beispielsweise der FH Reutlingen, müssen keine Mathe1-Prüfung schreiben. Das ist, wenn ich recht informiert bin, ein Schein, den man bekommt, wenn man in den Vorlesungen anwesend war. Ob das zu Diplomzeiten so war, weiß ich nicht, doch bei den Bachelorstudiengängen ist dies so. Das habe ich von einem ehemaligen Kommilitonen erfahren, der von der HE nach Reutlingen gewechselt ist.
Zugegeben, das finde ich auch nicht ganz sinnvoll, nur durch die Anwesenheit einen Schein zu bekommen. Es sollte schon ein Leistungsnachweis erbracht werden, damit man selbst merkt, ob ein Studiengang für einen geeignet ist. Bei uns an der Hochschule ist die Mathe1-Prüfung eine, die von allen anderen Prüfungen der ersten beiden Semester am meisten zählt.
Ich möchte dieses Beispiel nur anführen, damit ihr seht, was für Unterschiede es von einer Hochschule zur anderen gibt.

Ich kann langsam auch gut verstehen, dass es Leute gibt, die behaupten, Bachelor-Absolventen seien nicht mehr, also gute ausgelernte Azubis, und andere, die meinen, der Bachelor sei ähnlich wie das Diplom. Seit ich studiere kann ich diese unterschiedlichen Meinungen sehr gut nachvollziehen. Nicht nur beim direkten Vergleich der Vorlesungen einiger Fachhochschulen, sondern auch der Vergleich der Diplom- mit den Bachelorprüfungen einer einzigen Hochschule.

Zur Prüfungsvorbereitung bekommen wir eine ganze Menge alter Prüfungen für jede Vorlesung. Davon besteht der Großteil aus Prüfungen der ehemaligen Diplomstudiengänge. Wir rechneten diese stundenlang durch, um sich zu vergewissern, den Vorlesungsinhalt verstanden zu haben und anwenden zu können. Anders ist es uns auch nicht möglich, das alles zu lernen. Doch die Prüfungen, die wir schreiben bzw. geschrieben haben, sind oft um ein Vielfaches schwerer. Da fragt man sich natürlich, wie das sein kann, wo doch der Bachelor unter dem Diplom angesiedelt ist und somit ein wenig leichter sein müsste. Gerade heute haben wir die Prüfung in ET geschrieben und da wurden Aufgaben gestellt, die wir in der Vorlesung nie behandelt haben und auch nie in dieser oder ähnlicher Form in alten Prüfungsaufgaben zu finden waren. Wie soll man denn so eine Prüfung schaffen?
Wir fragten uns dann, woran dies liegen könnte. Es sind Meinungen gefallen, dass dies an der schlechten Absprache der Professoren untereinander liegen könnte, die diese Vorlesung halten, an der Hochschule selbst, die meint, sich auf ihren Ruf etwas einbilden zu müssen oder an ganz anderen Dingen.

Es wird einem so jede Lust am Studium genommen. Dass bereits ein paar meiner Kommilitonen mit dem Gedanken spielen, das Studium abzubrechen, ist nur zu verständlich. Stundenlang lernen für nichts und wieder nichts.
Wir werden und zwar beschweren, doch das bringt vermutlich sowieso nicht viel.

Es ist in Deutschland auch einfach nicht möglich, die Bildungseinrichtungen auf ein einheitliches Niveau zu bringen. Das ist das gleiche wie mit dem Abitur. In manchen Bundesländern ist das Abitur schwieriger als in anderen. Wäre es nicht sinnvoll, das zu vereinheitlichen und bundesweit das identische Abitur zu schreiben und nicht andere mit dem aktuellen System zu benachteiligen? Bei Bewerbungen wird weniger geschaut, in welchem Bundesland man sein Abi gemacht hat, da zählt leider oft nur die Note. Dass hier einige benachteiligt sind, kann man sich vorstellen.

Ich finde im Bereich der Bildung muss sich einiges in Deutschland ändern ... Auch ist es nicht ganz fair, in einigen Bundesländern Studiengebühren zu verlangen und in anderen nicht. Kann man sowas nicht bundesweit einheitlich regeln?
Dann gibt es, wenn ich noch auf dem aktuellen Stand bin, eine einzige Hochschule in Deutschland, die Uni Mannheim, die ihre Vorlesungszeiten denen der Hochschulen im Ausland angepasst haben. Es gibt dort kein Sommer- bzw. Wintersemester mehr, sondern man kann diese fast als Frühjahrs- und Herbstsemester bezeichnen.
Dagegen ist nichts einzuwenden, doch ist es denn gar nicht möglich, sowas bei allen Hochschulen gleichermaßen zu regeln?

Wenn meine vorlesungsfreie Zeit beginnt, endet diese beinahe wieder bei einem ehemaligen Schulkammeraden. Es ist also kaum möglich, etwas unter der Woche zusammen zu unternehmen, wie dies früher der Fall war und es bei Studenten anderer Hochschule der Fall ist.

Ich kann nur den Kopf schütteln und bin wirklich sehr verärgert.

So, das musste ich mal loswerden.


Wer hier sachlich diskutieren will, kann dies hier gerne tun. Mich würde eure Meinungen zu dem Thema interessieren, egal, an welcher Hochschule ihr seid, ob ihr studiert oder nicht etc.

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Kommentare

  • Fabi
    11.07.2007, 18:04
  • Da stimm ich Dir als dein Leidensgenosse und Nebensitzer nur zu.
    Revolution!
  • Daniel G
    11.07.2007, 19:54
  • Das Problem ist nunmal, dass die Bildung in vielen Bereichen Ländersache ist.
    Sich dort auf eine einheitliche Linie zu verständigen, dürfte schwer sein. Solange das nicht im Schulsystem funktioniert, kann man davon ausgehen, dass es bei den Hochschulen erst recht nicht klappen wird.

    Die BA-Studiengänge gibt es glaub ich an den Fachhochschulen noch nicht so lange, zumindest laufen bei uns gerade die Diplom-Studiengänge aus. Kann sein, dass ich hier nicht richtig informiert bin, aber vielleicht ist es einfach noch die Umstellung, die im Gange ist. Dass du gerade jetzt studierst, ist dann, auch wenn eigentlich Chancengleichheit herrschen sollte.... Nun ja, Pech...

    Auf mich kommts aber ja auch noch zu. Ich bin jetzt schon gespannt...
  • leddl
    11.07.2007, 20:52
  • "Bei Bewerbungen wird weniger geschaut, in welchem Bundesland man sein Abi gemacht hat, da zählt leider oft nur die Note."
    Da kann ich dich etwas beruhigen: Dem ist nicht immer so \:zwinker\:
    Die Note ist immer nur ein Kriterium von vielen. Und da wird auch mal geschaut, in welchem Bundesland der Abschluss gemacht wurde.
    Und Personaler sind auch nicht auf den Kopf gefallen, die haben so ihre Quellen... \:mrgreen\:

    Und zum Thema Uni Mannheim: Es ist zwar nett, dass die Semester angepasst werden, unschön war allerdings, dass bei der Umstellung die Semesterferien gerade mal ein oder zwei Wochen lang waren \:mrgreen\: Ich hab da so einige Bekannte, die es da länger ausgehalten haben als ich, und die haben ganz schön gestöhnt. In den 2 Wochen waren dann nämlich alle Klausuren \:lol\:

    Und ja, das Niveau ist von Hochschule zu Hochschule unterschiedlich. Nicht nur das, sogar von Dozent zu Dozent. Das lässt sich einfach nicht einheitlich regeln. Natürlich könnte man einheitliche Bedingungen schaffen, indem man Prüfungsordnungen normiert. Ob das allerdings so viel Sinn macht, sei mal dahingestellt. \;\)

    Axel
  • Frak
    06.09.2007, 11:02
  • Also zum thema mathe 1 pruefung an der Fh Reutlingen. man musste fruher die mathe 1 pruefung schreiben, diese hat halt nicht zum grundstudium mitgezaehlt. dies haben die jetzt im studiengang zwecks akkreditierung geaender. d.h. mahte 1 zaehlt voll mit und alle semester zahelen zur bachlor note.
  • Matze
    (registriert)
    06.09.2007, 20:45
  • Ah das wäre dann ja sinnvoll, auch wenn mir das von einem, der nun ins 2. Semester kommt, anders erzählt wurde. Vielleicht wusste er selbst nicht genau bescheid.
    Danke für die Aufklärung.

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