Tipp: Kreiseleinstellung

Der Kreisel bzw. Gyro macht vermutlich vielen Heli-Einsteigern zu schaffen. Er sollte im Idealfall dafür sorgen, dass das Heck des Hubschraubers nicht ungewollt und unkontrolliert wegdreht, sondern wie festgenagelt in der Luft steht.
Doch wenn der Heli das erste Mal geflogen wird, ist oft nicht mit einem ruhigen Heck zu rechnen. Mal dreht es weg, ein anderes Mal zittert es bzw. schwingt hin und her. Und wenn das Heck im Schwebeflug still steht, dann dreht es weg, sobald der Steig- oder Sinkflug eingeleitet wird. Das ist etwas knifflig, daher ein paar Tipps, die bei mir funktionierten.

Im Folgenden schildere ich meine Erfahrungen und worauf zu achten ist. Die Durchführung aller Schritte folgt auf eigene Gefahr.

Als Kreisel nutze ich einen Robbe/Futaba GY-401, der in der kleineren Heliklasse einer der besten ist. Es handelt sich dabei um einen SMM-Kreisel (was das bedeutet, muss ich noch herausfinden) und nicht um einem mit Piezoelementen. Letztere müssen je nach Temperatur nachgestellt werden. Darauf werde ich jedoch nicht eingehen, denn damit habe ich keine Erfahrungen. Anfängern empfehle ich daher einen SMM-Kreisel, damit man sich nicht zusätzlich herumärgern muss.

Mechanische Einstellungen

Wichtig ist, dass der Servoarm des Heckservos in der Mittelstellung möglichst senkrecht zur Heckanlenkung steht. Das Servo kann so die größte Kraft auf das Heck ausüben und die Bewegungen sind in beide Richtungen gleichmäßig. Der Abstand der Heckanlenkung zur Servoachse sollte bei rund 7.5 mm liegen (450er-Helis)

Die Position des Heckservos am Heckrohr muss anschließend so gewählt werden, dass die Hülse, die auf der Heckrotorwelle verläuft, mittig platziert ist. Das ist für den Anfang eine gute Ausgangsposition:

Die Heckrotorblätter müssten dann grob einen Anstellwinkel von 5 ° haben und somit leicht angestellt sein und zwar so, dass das Heck bei rechtsdrehendem Hauptrotor nach links gedrückt wird und umgekehrt.
Das sind die wichtigsten mechanischen Einstellungen, die das Heck betreffen.

Einstellen des Senders

Im Sender darf keine Begrenzung des Heckservowegs eingestellt sein. Es muss der volle Weg eingestellt werden, was i.d.R. die Standardeinstellung ist (0 bis 100 % bzw. -100 bis +100 %). Auch dürfen keine Trimmungen aktiv sein, die das Heckservo betreffen.

Die Empfindlichkeit kann zu Beginn auf -75 % gestellt werden bei Fernsteuerungen mit Skalierung von -100 % bis +100 % bzw. auf 12,5 % bei Fernsteuerungen mit Skalierung von 0 % bis +100 %.
Ein negativer Wert bzw. einer kleiner 50 % deshalb, da sich der Kreisel dann im sogenannten Heading-Hold- oder Heading-Lock-Modus (HH-Modus bzw. AVCS-Modus) befindet. Äußere Einflüsse wie Windböen gleicht der Kreisel dann aus und dreht das Heck immer in die Ausgangslage zurück. Ich habe mit dem Normalmodus begonnen (+75 %), doch wieso dieser nicht geeignet ist, erläutere ich später.

Wie die Einstellungen im Sender programmiert werden können, werde ich hier nicht erklären, denn das ist von Fernsteuerung zu Fernsteuerung unterschiedlich.

Einstellen des Kreisels

Je nachdem, ob ihr ein Digital- oder Analogservo verwendet muss am Gyro ein Schalter umgelegt werden (Stellung „DS off“ bei Verwendung eines Analogservos und „DS on“ bei Verwendung eines Digitalservos). Das ist wichtig, sonst kann das Servo beschädigt werden.

Klemmt anschließend aus Sicherheitsgründen den Motor vom Regler ab. Dann schließt ihr den Akku an. Die rote LED am Kreisel muss nun dauerhaft leuchten. Wenn sie blinkt, dann bekommt der Kreisel bereits ein Signal vom Sender, das durch eine Trimmung oder eines Knüppelausschlags beim Anstecken des Akkus hervorgerufen werden kann. Dann ist der Sender so einzustellen, dass kein solches Signal gesendet wird.

Bewegt den Heckknüppel am Sender in beide Endlagen. Die Hülse am Heck sollte sich von einem Anschlag zum anderen bewegen. Wenn die Hülse nicht bis zum Anschlag fährt, müsst ihr am Gyro mit dem Schraubenzieher das Limit erhöhen. Fährt die Hülse zu weit, sodass das Servo anfängt zu summen, müsst ihr den Limit-Wert erniedrigen.

Ich gehe davon aus, dass ihr als Heli-Interessierte wisst, wie sich die Blätter anstellen müssen, um eine bestimmte Drehrichtung zu erzielen. Nehmt den Heli in die Hand und dreht ruckartig das Heck in eine Richtung. Die Heckrotorblätter sollten sich nun so anstellen, dass sie gegen diese Drehrichtung wirken. Ist das nicht der Fall, muss am Gyro der Schalter „Dir“ für die Umkehr der Wirkrichtung umgeschaltet werden.

Der Testflug

Die wichtigsten Einstellungen sind nun vorgenommen. An dieser Stelle ein Tipp: Sucht euch einen erfahrenen Heli-Piloten, der die Einstellungen von euch prüft, falls euch nicht bereits einer dabei geholfen hat.
Lasst den bevorstehenden Testflug auch lieber von jemandem mit Flugerfahrung durchführen. Es ist nicht immer leicht, jemanden zu finden, daher erkläre ich, worauf ihr achten müsst. Prinzipiell geht das natürlich auch ohne fremde Hilfe.

Falls ihr ein Trainingslandegestell habt (2 überkreuzte Kohlefaserstäbe mit 4 Tischtennisbällen an den Enden), so befestigt das beispielsweise mit Kabelbindern am Heli. Dann kann er nicht so schnell umkippen und verträgt auch etwas unsanftere Landungen.

Macht den Heli startklar, indem ihr die Elektronik wieder komplett anschließt. Da sich der Kreisel im HH-Modus befindet, wird die Hülse am Heck nicht automatisch in die Mittelstellung gehen. Stellt daher am Sender das Heck mit dem Knüppel halbwegs in die Mitte, damit der Heli nicht beim Abheben wegdreht. Wenn die Heckrotorblätter komplett angestellt sind ist das auch nicht weiter schlimm. Der Heli wird beim Abheben etwas wegdrehen, was der Kreisel jedoch dann gleich wieder ausgleicht. Mich persönlich verunsichert es aber, wenn beim Abheben der Heli beginnt, sich schnell zu drehen. Wenn der Heck.knüppel 3 x schnell von einer Seite auf die andere bewegt wird, müsste der Kreisel das Heck auch in die Neutralstellung bringen.

Lasst dann die Drehzahl bei 0 °-Pitch hochlaufen. Danach erhöht ihr den Pitchwert so weit, bis der Heli beginnt leicht zu werden. Wenn der Heli beginnt sehr schnell in eine Richtung zu drehen, dann stimmt die Wirkrichtung des kreiselt nicht. Diese muss dann wie oben beschrieben umgekehrt werden.
Dreht sich das Heck sehr langsam, dann könnt ihr die Flughöhe um wenige Zentimeter steigern. Dann seht ihr, was das Heck macht und könnt notfalls gefahrlos landen.

Wenn die Wirkrichtung stimmt, könnten folgende Phänomene beobachtet werden:

  • Das Heck dreht zügig weg
    Vorausgesetzt, die Wirkrichtung passt, dann stimmt die Position des Heckservos am Heckrohr noch nicht ganz. Dieses müsst ihr je nach Drehrichtung dann weiter nach vorne oder hinten schieben.
  • Das Heck dreht sehr langsam in die Richtung weg, in die es sich auch ohne Kreisel bewegen würde (bei rechtsdrehendem Hauptrotor nach rechts, sonst nach links)
    Dann könnt ihr versuchen, die Kreiselempfindlichkeit schrittweise am Sender zu erhöhen (natürlich nicht während des Flugs). Wenn das Heck anfängt zu zittern und immer noch weg dreht, dann stimmt die Servoposition nicht und muss mechanisch verändert werden.
  • Das Heck zittert bzw. schwingt hin und her
    Das ist ein Zeichen dafür, dass die Kreiselempfindlichkeit zu hoch eingestellt ist. Verringert diese schrittweise am Sender bis das Zittern weg ist. Im Idealfall sollte die Kreiselempfindlichkeit so hoch wie möglich gewählt werden (bis kurz vor dem Punkt, an dem das Zittern beginnt). Bei einem gut eingestellten Heck liegt die Empfindlichkeit bei mindestens 70% würde ich sagen. Nur als groben Richtwert.

Wenn ihr das eingestellt habt, sollte das Heck im Schwebeflug nicht mehr wegdrehen.
Weitere Tests sind starkes Beschleunigen nach oben. Dreht das Heck beim Beschleunigen stark weg, kann es sein, dass das Heckservo zu schwach ist. Es kann auch sein, dass die Rotordrehzahl zu niedrig ist, sodass der Heckrotor kein Gegenmoment aufbauen kann. In dem Fall sollte versucht werden, die Rotordrehzahl etwas zu erhöhen.

Schwingt das Heck nach, kann es helfen, den Delay-Wert am Kreisel zu erhöhen. Doch im Idealfall bleibt dieser auf Null (Werkseinstelung).
Ansonsten sollte der Kreisel das Heck halten oder bei leichtem Wegdrehen in die Ausgangslage zurück regeln. Das ist einer der Vorteile des HH-Modus. Im Normalmodus dreht das Heck weg und stoppt dann weggedreht.

Mich als Fluganfänger hat das sehr gestört, da ich immer manuell gegensteuern musste. Das hat letzten Endes auch zum ersten Absturz geführt. Daher würde ich auf alle Fälle den HH-Modus dem Normalmodus vorziehen.

Nächster BeitragRead more articles