Deutsche Rechtschreibung

Da ich im Internet immer wieder Dinge lese, die so in der deutschen Sprache nicht existieren, möchte ich hier einmal die Fehler niederschreiben, die mir am häufigsten auffallen.

Zuerst einmal für alle, die den Artikel bereits kennen, die Aktualisierungen:
22.04.2006: Wegen dir und deinetwegen
01.04.2006: AGBs
01.04.2006: Seid / Seit
30.03.2006: Erweitert: Im Frühjahr diesen Jahres
30.03.2006: Korrektur: Super-GAU
29.03.2006: Hinzugefügt: Verneinte Fragen
29.03.2006: Hinzugefügt: Das Gleiche / Das Selbe
26.03.2006: Hinzugefügt: Mehrzahl von „Museum“
26.03.2006: Korrektur: Indirekten Rede
25.03.2006: Hinzugefügt: Welt der Apostrophe
25.03.2006: Hinzugefügt: Getrenntschreibung

Wörter

Standard

Ich sehe sehr häufig die Schreibweise Standart, die, mal abgesehen von der falschen Rechtschreibung auch wirklich blöd ausschaut. Dieses Wort würde ich persönlich zu den am meisten falsch geschrieben Wörtern der deutschen Sprache zählen.

Gerade eben (30.03.2006, 16:33) sah ich diese Schreibweise: standardt 😲
Nun vor 5 Minuten (26.05.2006, 22:19) diese hier Standartd. Wirklich verrückt, was einige mit diesem Wörtchen für Probleme haben. ^^

Einzigste

Dieses Wort höre ich auch sehr häufig. Ich frage mich jedes Mal, wieso es so ausgesprochen/geschrieben wird. Es muss natürlich einzige heißen.

EMail / eMail

Wie heißt es denn nun? Korrekt sieht es die deutsche Sprache so vor: E-Mail. Die U-Bahn wird auch nicht uBahn oder UBahn geschrieben. 😉

Albtraum oder Alptraum?

Freut euch, seit der neuen Rechtschreibreform ist auch die Schreibweise Albtraum zulässig. Es geht also beides.

Anscheinend / Scheinbar

Einige kennen ihn nicht, den Unterschied zwischen diesen beiden Wörtern. Ich zitiere aus dem Duden:

schein|bar (nur dem Scheine nach); er hörte scheinbar aufmerksam zu (in Wirklichkeit gar nicht), aber er hörte anscheinend (= augenscheinlich, offenbar) aufmerksam zu

© Duden – Die deutsche Rechtschreibung, 23. Aufl. Mannheim 2004 [CD-ROM]

Besser als hier kann man den Unterschied der beiden Wörter nicht erklären. Scheinbar steht für etwas, was so aussieht, als ob es so wäre, jedoch nicht so ist. Anscheinend bedeutet offenbar.

Genitiv vermisst

Im Frühjahr diesen Jahres

[erweitert am 30.03.2006, 09:44]
Der Genitiv scheint irgendwie aus der Mode gekommen zu sein. Grammatikalisch korrekt ist Im Frühjahr dieses Jahres, auch wenn man es in Zeitungen oft anders liest. Ab und zu hört man ebenfalls in 2006, doch richtig ist nur Im Jahr(e) 2006 oder einfach 2006.

Wegen dir und deinetwegen

[hinzugefügt am 22.04.2006, 20:56]
Bei uns in Baden-Württemberg wird ständig von „wegen dir“ gesprochen, doch korrekt ist immer noch der Genitiv „deinetwegen“. Dies ist mir bisher bei folgenden Wortkombinationen aufgefallen:

wegen dir -> deinetwegen
wegen was -> weswegen
bei was -> wobei
um was -> worum
mit was -> womit
auf was -> worauf
für was -> wofür
von wo -> wovon

Noch ein Beispielsatz zur Verdeutlichung, wie es falsch ist:
„Ich habe das nur wegen dir gemacht.“

Korrekt müsste es lauten:
„Ich habe das nur deinetwegen gemacht.“

Sätze

Das macht Sinn

Ja, dieser Satz ergibt keinen Sinn, 😉 auch wenn ihn einige für selbstverständlich halten. Es kann etwas Spaß machen, oder es kann auch etwas Freude machen, doch Sinn machen kann man nicht. Etwas kann einen Sinn ergeben, aber aktiv dazu beitragen kann keiner. Korrekt wäre hier Das ergibt Sinn oder Das ist sinnvoll. Verdanken haben wir die falsche Schreibweise wohl den Amerikanern, bei denen That makes sense eine gültige Schreibweise ist.

Aber ich denke, „das macht Sinn“ hat sich mitlerweile in den weitesten Teilen Deutschlands durchgesetzt und kann daher auch verwendet werden. Hochdeutsch wäre es jedoch nicht richtig.

Immer zweimal mehr wie du

Einige von euch kennen sicherlich die Klingeltonwerbung mit den 2 Tassen, die sich unterhalten. Das Gespräch endet mit obigem Satz, der grammatikalisch gesehen völliger Blödsinn ist. Handelt es sich im Kontext um eine Ungleichheit (größer, kleiner, mehr, weniger, …), folgt die Konjunktion als: Er ist größer als ich., Immer zweimal mehr als du.. Handelt es sich um Gleichheit, folgt die Konjunktion wie: Er ist gleich alt wie ich., Ich bin so groß wie du..
Kein Wunder, machen es viele junge Menschen falsch. Man hört es in solchen Werbungen ja immer seltener korrekt.

Ich kenne einen Student

Natürlich muss es heißen Ich kenne einen Studenten. Die Endung wird hier sehr oft weggelassen.

Befürchtungen, die Vogelgrippe sei auf den Menschen übertragbar, wurden bestätigt.

So oder in ähnlicher Konstellation liest man häufig vom Plural, der eigentlich gar nicht vorhanden ist. In obigem Beispiel gibt es nur eine einzige Befürchtung. Richtig müsste es also lauten: Die Befürchtung, die Vogelgrippe sei auf den Menschen übertragbar, wurde bestätigt.

Sie sagte, das Wetter ist schön

[korrigiert am 26.03.2006, 00:51]

Auf den ersten Blick mag dieser Satz richtig erscheinen, doch ist er grammatikalisch falsch. Korrekt heißt es: Sie sagte, das Wetter sei schön. Hier muss folglich der Konjunktiv stehen. Dies wird bei der indirekten Rede sehr häufig falsch gemacht.
Wird die indirekte Rede im Nebensatz mit dass eingeleitet, ist auch der Indikativ erlaubt: Sie sagte, dass das Wetter schön ist.

Ich habe mich erschrocken

Das hört man auch sehr oft. Wird erschrecken im Zusammenhang mit haben verwendet, heißt es Ich habe mich erschreckt, im Zusammenhang mit sein muss es Ich bin erschrocken lauten.

Die Zeitung erscheint 14-tägig

Dies würde bedeuten, dass die Zeitung 2 Wochen lang erscheint und danach nicht mehr. Eine Zeitschrift, die alle 2 Wochen erscheint, erscheint somit 14-täglich, so ungewohnt es klingen mag. Die Endung -tägig bezieht sich auf die Dauer, -täglich jedoch auf ein Intervall.

Mehrzahl von Wörtern

Indexe ist eine korrekte Mehrzahl des Wortes Index. Indizes gefällt mir deutlich besser. Mich würde interessieren, ob Indexe nachträglich einmal in den Duden aufgenommen wurde, da dieses Wort immer gebräuchlicher wurde.

Atlasse ist ebenfalls eine gültige Mehrzahl von Atlas. Atlanten, die Mehrzahl, die es schon immer gibt, klingt jedoch viel „deutscher“, finde ich. 😉

Kaktusse ist offiziell falsch. Die hochdeutsche Mehrzahl von Kaktus bleibt weiterhin Kakteen, auch wenn Kaktusse mit dem Hinweis [ugs.] im Duden steht.

Pizzas ist als Mehrzahl gängig und auch korrekt. Das versteht ein Italiener auch irgendwie besser als Pizzen. 😅

Spaghetti ist bereits Mehrzahl. Spaghettis gibt es in der deutschen Sprache nicht.

Lexikone gibt es nicht. Es lautet immer noch Lexika oder Lexiken. Doch bei den ständigen Anpassungen des Dudens würde es mich nicht wundern, auch diese Form der Mehrzahl bald darin wiederfinden zu können.

Status ist sowohl Singular als auch einzig korrekter Plural, damit hatte ich anfangs auch Probleme, ich rätselte oft, ob es nicht Stati oder Statusse heißt, wobei mir beides seltsam vorkam.

Daten ist die einzige korrekte Pluralform des Wortes Datum. Mehrere Datums gibt es nicht, auch wenn man das ab und zu liest.

Kommas galt ursprünglich nicht als Mehrzahl von Komma, doch Kommata fanden die Leute wohl irgendwann zu altmodisch, sodass Kommas als gültige Mehrzahl im Duden aufgenommen wurde.

[hinzugefügt am 26.03.2006, 18:11]
Museums ist keine korrekte Mehrzahl von Museum. Museume schon gar nicht. Richtig ist hier nur Museen.

[hinzugefügt am 01.04.2006, 22:58]
AGBs begegnet man auf einigen Internetseiten, doch was sind AGBs?
Schaut man im Lexikon oder im Duden nach, wird man folgendes lesen können:

AGB (Allgemeine Geschäftsbedingungen)

Sonstiges

Super-GAU

[korrigiert am 30.03.2006, 09:39]
Ich frage mich jedesmal, wenn ich es im Radio höre, was dies eigentlich sein soll. Da ein GAU der Größte Anzunehmende Unfall ist, gibt es nichts größeres mehr.

Getrenntschreibung

[hinzugefügt am 25.03.2006, 22:32]
Ich bin immer noch schockiert, doch es ist tatsächlich so, dass sehr viele Begriffe getrennt geschrieben werden, die man im Deutschen jedoch zusammen schreibt. In Werbeprospekten liest man zum Beispiel Dinge wie

(Diese Ausschnitte sind nur wenige, die ich am Samstag, den 25.03.2006 in diversen Werbeprospekten gefunden habe).
Dass man Wörter, die man zusammen schreibt, zur besseren Lesbarkeit mit Bindestrichen versieht, kann ich noch irgendwo nachvollziehen (da wäre beispielsweise Edelstahl-Solar-Bodeneinbauleuchte, auch wenn ich das nun anders getrennt hätte), doch die Getrenntschreibung macht diese Wörter nur unübersichtlicher, zumal das dann alles andere als deutsch ist.

Welt der Apostrophe

[hinzugefügt am 25.03.2006, 22:44]
Zunehmend wird bei der Bildung der Mehrzahl ein Apostroph verwendet. Es kommen Wortneuschöpfungen wie Website’s oder Kaffee’s zustande.
Doch damit nicht genug, denn ein korrektes Hochkomma, was bei der Mehrzahlbildung natürlich fehl am Platz ist, wird durch ein dargestellt. Verwendet werden stattdessen jedoch sehr häufig die Akzentzeichen ´ und `.

Dies ergibt Sätze wie Er war´s oder So ist`s eben.

Das Gleiche / Das Selbe

[hinzugefügt am 29.03.2006, 11:28]

Sehr oft ist der Unterschied zwischen gleiche und selbe nicht bekannt und daher wird häufig angenommen, das eine Adjektiv sei das Synonym zum anderen, doch dies ist nicht der Fall.

Man spricht immer von selben, wenn es sich um einen einzigen Gegenstand handelt. Ist der Gegenstand von Aussehen/Marke etc. identisch wie ein anderer, dann sind es die gleichen Gegenstände.

Den Unterschied werde ich anhand eines Beispiels veranschaulichen:
Angenommen ein Schüler und ein Lehrer haben einen Bleistift gleicher Marke, dann haben beide den gleichen Bleistift, doch haben sie nicht den selben Bleistift, da es sich um zwei verschiedene Bleistifte handelt. Wenn es sich um den selben Bleistift handeln würde, dann ginge es um ein und den selben Bleistift (ein einziger), aber da es zwei verschiedene sind, sind es nur die gleichen Bleistifte.

Seid / Seit

[hinzugefügt am 01.04.2006, 10:02]
Häufig werden seid und seit durcheinandergebracht.
Man muss sich einfach merken seit bei Zeit.

Beispiele:
Zeit: Seit 5 Uhr, Seit gestern, Seit 1985
Sonst: Ihr seid lieb, Seid ihr hungrig?

Verneinte Fragen

[hinzugefügt am 29.03.2006, 11:39]
Sachverhalt momentan unklar!

Oh ja, das ist ein Klassiker muss man sagen. Wird einem eine verneinte Frage gestellt, ist es korrekt, mit der gegenteiligen Antwort auf eine nicht verneinte Frage zu antworten. Soweit erscheint das einleuchtend, doch schauen wir und die Praxis anhand eines Beispiels an:

Person A: Hast du gestern keine Klausur geschrieben?
Person B: Nein.

In den meisten Fällen wird es so interpretiert, dass gestern keine Klausur geschrieben wurde, doch ist genau das Gegenteil ist der Fall. [i]Nein[/i] bedeutet hier korrekt betrachtet, dass gestern eine Klausur geschrieben wurde. Um dies zu beweisen drehen wir einfach die Fragestellung um:

Person A: Hast du gestern eine Klausur geschrieben?
Person B: Nein.

Ist die Frage nicht verneint gestellt, ist offensichtlich, dass [i]nein[/i] hier bedeutet, es wurde keine Klausur geschrieben. Ist die Frage jedoch verneint, kann [i]nein[/i] unmöglich genau das Gleiche bedeuten, wie auf eine nicht verneinte Frage.

Ich gebe jedoch offen zu, dass ich so antworte, wie es die meisten dann auch interpretieren werden, oder ich antworte in einem ganzen Satz: „Nein, ich habe gestern eine Klausur geschrieben.“ oder „Doch, ich habe gestern eine Klausur geschrieben.„, dann kann es auch nicht zu Missverständnissen kommen.

Unlogisches

Die Mehrzahl von Visum ist Visa (nicht Visas!), doch wieso ist die Mehrzahl von Universum dann Universen und nicht Universa?

Chaos existiert nur in der Einzahl. Doch wenn ich auf meinem Schreibtisch Chaos habe und im Büro ebenfalls, dann ist das doch noch lange kein großes Chaos. 🤔

Wieso heißt es Eltern und nicht Ältern wo dieses Wort doch von Alter kommt? Zugegeben, es sähe bescheuert aus, doch neben aufwendig gibt es nun die Schreibweise aufwändig, da dieses Adjektiv von Aufwand kommt. Bei dem Wort Eltern wäre es logisch gewesen, auch die zweite Schreibweise einzuführen.

Die neue Rechtschreibung ist in einigen Dingen wirklich logischer, doch andere Dinge kann man einfach nicht verstehen …

Kürzlich habe ich mit meiner Großmutter über die neue Rechtschreibung diskutiert und dabei fiel folgender Gedanke:
Uns ist keine andere Sprache eingefallen, die eine so komplizierte Groß-/Kleinschreibung hat, wie die deutsche Sprache. Bei uns werden bei weitem nicht nur Namen, Eigennamen und Substantive groß geschrieben. Beispielsweise werden im Englischen alle Worte klein geschrieben bis auf I (dt. ich), Namen und Eigennamen.
Wieso muss es dann im Deutschen so umständlich sein? Wer aus dem Ausland kommt und deutsch lernt, wird große Probleme haben. Im Internet liest man immer mehr Beiträge in Foren, die durchweg klein geschrieben sind. Das gefällt mir zwar nicht, aber logisch wäre eine solche Rechschreibung allemal. Aber ich bin dennoch dagegen, alles klein zu schreiben, es war nur eine Bemerkung, wie kompliziert das Deutsche ist.

Wen die Tücken der deutschen Sprache interessieren, dem kann ich folgende zwei Bücher empfehlen. Nicht alle, jedoch ein paar der oben erwähnten Dinge, werden in diesen Büchern angesprochen. Natürlich sind viele weitere enthalten. Übrigens, der Titel des Buches ist ebenfalls ein Wortspiel, korrekt müsste es Der Dativ ist des Genitivs Tod heißen. Clever umgesetzt, oder? 🙂

Der Dativ ist dem Genitiv sein Tod I
Autor: Bastian Sick
ISBN: 3-462-03448-0
Der Dativ ist dem Genitiv sein Tod II
Autor: Bastian Sick
ISBN: 3-462-03606-8

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